Twenty years of a free, open web

Zum zwanzigsten Geburtstag des World Wide Web

Vor 20 Jahren stellte das CERN die noch heute wichtigen Technologien für den Betrieb des „Netzes“ zur lizenzfreien Benützung zur Verfügung. Nur so konnte das Internet die Welt in 20 Jahre so verändern und prägen. Stellen wir uns vor, wir müssten für jeden Beitrag, den wir publizieren wollen, für jeden Webserver und für jeden Browser, Lizenzen zahlen. Nicht auszudenken, wie einfältig das Internet heute wäre.

On 30 April 1993 CERN published a statement that made World Wide Web („W3“, or simply „the web“) technology available on a royalty-free basis. By making the software required to run a web server freely available, along with a basic browser and a library of code, the web was allowed to flourish.“
CERN

Ich erinnere mich noch gut, wie ich 1995 in meinen eigenen vier Wänden in Zürich mein erstes Modem mit der Telefonleitung koppelte. Ich empfand damals schon telefonieren als überbewertet und liess das Telefon in der Ecke verkümmern. Smartphones bzw. Communicator waren erst eine grandiose Idee für einen Science Fiction-Streifen. Trotzdem empfand ich schon dieses unheimlich faszinierende Gefühl, mit der Welt verbunden zu sein. Viel gab es noch nicht zu sehen, man war gefangen in Diensten wie MSN und Compuserve. Es begann, langsam, mit persönlichen Webseiten, Vorläufer der Blogs oder Weblogs, blinkenden Texten und arbeitenden Bauarbeitern. „Under construction“ hiess es oft.

Was heute daraus geworden ist, war damals kaum vorstellbar.

Aber es war mir klar, dass mich die Faszination für dieses Medium nie wieder loslassen würde. Der Zugang zu Informationen wurde massiv vereinfacht, Altavista und Yahoo etablierten sich als „gelbe Seiten“. Während meiner Zeit als Systemadministrator bei der Internet Access AG, ca. 1999, kam ein Arbeitskollege zu mir: „Hast Du von Google gehört?“ – „Wie schreibt man das?“ war meine Gegenfrage. Nur eine Eingabezeile und es findet alles. Wie erstaunlich präzis. Wie schnell. Alle Informationen für alle frei verfügbar und auffindbar. Fantastisch. Schöne neue Welt.

The challenge is to manage the Web in an open way – not too much bureaucracy, not subject to political or commercial pressures. The U.S. should demonstrate that it is prepared to share control with the world.
Tim Berners-Lee

Schlagworte wie „Netzneutralität“ und „Netzpolitik“ gab es damals noch nicht. Politiker, „normale“ Unternehmen interessierten sich nicht für das Internet. Alle mit Internetanschluss hatten die selben Rechte, die selben Möglichkeiten. „Hier kann uns niemand reinreden“, hiess es.

Doch heute versuchen Regierungen und Firmen die Kontrolle über das Internet zu erlangen. Zensur, Sperren, komplizierte Tarifsysteme. Heikel finde ich vor allem die Telekomunternehmen, die die Schnittstelle, den Zugang zum Netz darstellen und bereitstellen. Ist es nicht ein Interessenkonflikt, wenn der Anbieter des Netzzugangs selber Inhalte anbietet oder Verträge mit Anbietern von Inhalten hat?

Von meiner Telco möchte ich nur eine Leitung ins Netz, keine Inhalte, keine Drosselung, kein Kontingent, keine Sonderpakete, Zusatzleistungen usw. Ich erwarte nur die Pipeline ins Netz, und das möglichst schnell, einfach und stabil.

Heute entfernen wir uns aber eher davon, ein Zwei-Klassen-Internet ist am Entstehen und das muss verhindert werden. Das Internet gehört uns allen.

Wer will schon ein Zwei-Klassen-Internet?
Warum soll Deine E-Mail im Stau stehen?
Wer bestimmt, was im Internet wichtiger ist als anderes?
Netzneutralität und die Gleichbehandlung von Daten geht alle an  –  auch Dich.“
Was heisst Netzneutralität?  echtesnetz.de

Dieser Leitfaden für ein offenes Internet erklärt grafisch, wundervoll aufbereitet, worum es bei Netzneutralität geht.

Aktuell wird dieses Thema in Brüssel und vor allem Deutschland heftig diskutiert, die Politiker scheinen aber weiterhin Netzpolitische Themen entweder nicht ernst genug zu nehmen, oder wohl leider auch nicht zu verstehen. Zu viele banale und peinliche Vorschläge werden erarbeitet, wie das berühmte Stopp-Schild (Artikel im Spiegel: Stoppschilder im Internet: Schäuble räumt Fehler bei Netzsperren ein).

Oder das kürzlich verabschiedete Leistungsschutzrecht für Presseverleger, die sich damit, meiner Meinung nach, ins eigene Knie schiessen (und ich in meins, für den vorangehenden Link zum Spiegel).

Blogs und Vereine wie netzpolitik.org, laquadrature.net oder die Digitale Gesellschaft, setzen sich genau gegen solche Gesetze und für die Rechte der Internetnutzer_innen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene ein.

Auch in der Schweiz gibt es Bestrebungen, die Netzneutralität gesetzlich zu verankern, eine Motion von Balthasar Glättli (gps., Zürich) wurde aber vorerst vom Bundesrat abgewiesen.

Es bleibt interessant.

Und zum Schluss ein Hingucker: Das CERN hat nun die allererste Webseite an der ursprünglichen Adresse wieder augeschaltet: http://info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html

Veröffentlicht von

Ruggero De Pellegrini

PHOTOGRAPHER, DEVELOPER & INDIVIDUALIST

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