Trip to lake Namtso, Tibet, China. August 2013

Lake Namtsho

Tagesausflug zum Namtsho See. Tibet. China. August 2013

Der Nam Co, auch Namtsho (tib.: gnam mtsho, tibetisch: གནམ་མཚོ་, chinesisch 納木錯 / 纳木错 Nàmù Cuò; mong. Tengrinor ‚Himmelssee‘) ist ein Salzsee im Autonomen Gebiet Tibet der Volksrepublik China. (Quelle: wikipedia)

Verflucht habe ich diesen Tag am Abend der Rückkehr ins Hotel. 11 Stunden Autofahrt für zweianhalb Stunden Aufenthalt. Hat sich das gelohnt?

Vor einer Bankfiliale musste ich bereitstehen, hat mir das durchführende Reisebüro gesagt. Um 6 Uhr morgens. Lhasa schläft noch. Nur einige gläubige Buddhisten machen sich bereits auf den Weg, den Jokhang Palast auf der „Middle Street“ zu umrunden. Ein gerade aufgewachter Hund beschnuppert mich und taxiert mich als ungefährlich. Ich hoffte, etwas zum Frühstück einkaufen zu können, aber die Läden sind noch alle zu. Im Hotel habe ich das Personal wecken müssen, um es überhaupt verlassen zu können. An Frühstück war da nicht zu denken.

Pünktlich um 6 Uhr fährt ein Minivan vor. Das Kennzeichen stimmt. Um meine Identität zu prüfen, ruft der Fahrer mich auf meiner chinesischen Telefonnummer an und verlangt per Handzeichen die Quittung des Reisebüros. Ich darf hinten im Van platz nehmen. Das Aufsammeln der weiteren Gäste dauert noch ca 1 Stunde. Ich dachte das sei eine organisierte Tour für westliche Touristen. Aber bis jetzt nur chinesische Gäste. Ich überlege kurz, ob ich nicht lieber aussteigen soll und den Tag in Lhasa verbringen soll. Ach was solls.

Die beiden jungen Frauen, die wir am Tor eines 5-Stern Hotels aufgesammelt haben, sind ja hammermässig drauf. Herausgeputzt wie für ein Dinner. Dauernd den Spiegel oder das Smartphone vor der Nase um sich zu schminken und dann gleich das Ego-Foto zu schiessen. Ich frage mich später, wie sie diese Tour so selbstverständlich ohne Murren mitmachen konnten. Ich bin hier die verwöhnte Zicke, die hier sind alle sehr tough, oder nichts anderes gewöhnt.

Nur ein Student aus Beijing spricht etwas Englisch. Jedenfalls genug, um mich über die einzelnen Situation aufklären zu können. Wie zum Beispiel das Tankdebakel: etwa 20 Minuten nach dem Tankvorgang, merkt der Fahrer, dass er seine ID-Card an der Tankstelle liegen lassen hat. Also zurück, denn ohne ID geht im „Autnomen Gebiet Tibet“ gar nichts. Etwa 5 Polizeikontrollen müssen wir über uns ergehen lassen. Meine „Alien Permit“ soll ich aber bitte nicht zücken. Nur wenn sie verlangt wird, diese Spezialbewilligung für Ausländer. Nun findet der Fahrer seine ID Card an der Tankstelle aber nicht. Ich glaube diesen Ausflug schon zu Ende, da telefoniert er mit seinem Arbeitskollegen, der wohl nach uns die Tankstelle erreicht haben muss. Dieser teilt ihm mit, seine ID mitgenommen zu haben. Nun gut, man hätte bereits vorher informieren können. 40 Minuten verloren. Aber das soll nur ein Bruchteil der Zeit sein, die wir zum See haben. Dieser Student ist am Schluss der Fahrt noch etwas verzweifelter als ich, krümmt sich, wippt vor und zurück auf seinem Sitz, unruhig. Die Höhenkrankheit hat im schwer zugesetzt und auch er findet erst Ruhe, als wir uns im letzten Drittel der Heimfahrt wieder auf gemässigter Höhe bewegen.

Satte 6 Stunden in einem unbequemen Minivan soll ich verbringen, bis wir unser Ziel erreichen. Die hintern Sitze wurden mit einer Art Schaumstoffmatratze ausgelegt. Das suggeriert mehr Platz, ist aber sau unbequem, da diesen kaum halt bietet. Die Zwischenstopps, die durch die länge der Fahrt gar nicht mehr geniessbar sind, wirken interessant, sind aber durch die Verspätung viel zu kurz. Einzig der Aufenthalt auf 5190m über Meer auf der Passhöhe ist sehr aufregend, der Rest der Fahrt aber nur noch ein Hoffen auf das Erreichen des Ziels.

Pünktlich um 12 Uhr, 6 Stunden nach dem Morgengruss des Strassenköters, sind wir nun angekommen. Eine unglaublich kontrastreiche Landschaft von See, Himmel und Felsen eröffnet sich mir. Eine Weite und Dimension, die ich selten so erleben durfte. Der 2 1/2-stündige Aufenthalt am Namtso See auf 4700m bräuchte aber nochmals eine Akklimatisierungsphase, merke ich nach etwa 100 Meter meines Spaziergangs. Ich trinke mein Wasser so schnell als möglich, in der Hoffnung mein Zustand bessert sich. Die zwei Panadol-Schmerztabletten wirken dann nach der üblichen halben Stunde Ich suche mir ein Platz am Rande der Touristenströme um meinem Körper etwas Ruhe zu gönnen und kann dann die Zeit am See doch noch geniessen.

Ein Verkäufer hat mir die typischen Gebetsfahnen verkauft und für mich den Felsen hinaufgeschleppt. Selber hätte ich das nie geschafft. Ich glaube, meinen Namen gehört zu haben, geschrien, von einem Felsen herunter. Vermutlich Einbildung, aber ich bin sicher, er hat meine Fahne auch aufhängen können, neben den tausend anderen rot grün gelb und blauen. Ein weit verbreiter Brauch in Tibet. Auch rund um Lhasa gibt es ganze Berghänge, die voll von Strängen von Gebetsfahnen sind. Ein einmaliger Anblick, der mich die ganze Fahrt zum See begleitet hat.

Die Rückfahrt sollte eigentlich in 2 1/2 bis 3 Stunden zu schaffen sein. Kein Warten an der Ticketausgabe, weniger Sightseeing, es geht meist bergab. Das wäre gut, weil mein Verdaungstrakt gerade verrückt spielt und die Toiletten auf der Fahrt nicht für westliche Weichlinge wie mich gebaut wurden.

Aber der Fahrer hat wieder eine Überraschung für uns bereit. An einer Kreuzung biegt er links statt rechts ab. Ich hoffe auf eine Abkürzung. Wir halten aber an einem Markt, er verschwindet. Der Wagen steht etwas ungeschickt. Jede Vorbeifahrt wird mit einem Hupen quittiert. 15, 20, 25 Minuten verstreichen. Chinesen habe wirklich die Ruhe weg. Ich merke, dass alle Fahrgäste etwas genervt sind, aber keine Form von Feindschaft gegenüber dem Fahrer. Ich erfahre, dass des Fahrers Vater hier lebt und er etwas nach Lhasa mitnehmen muss. Die Übergabe dauert halt eine Weile, wenn man sich so lange nicht gesehen hat. Dafür kann ich Verständnis aufbringen, ein wenig. Mittlerweile habe ich resigniert. Mein Körper ist auf die nötigsten Funktionen heruntergefahren. Ein Stopp an einer „Raststätte“ habe ich mit Bravur gemeistert. Um 19:30 erreiche ich dann das Hotel. Als letzter wurde ich abgeladen. Das Päckchen musste natürlich vorher noch ausgeliefert werden. Ohne ein längeres Gespräch geht das natürlich nicht und es lag gerade noch so auf dem Weg.

Zurück im Hotel bestelle ich mir einen Yak-Burger und eine Lhasa-Beer. Hätte ich mich meinem Bauchgefühl heute Morgen fügen sollen, und den Ausflug nicht antreten? Nein, im Nachhinein, mit etwas Distanz, war es wieder ein weiteres Abenteuer. Wenn ich nun die Fotos anschauen, kann ich die Erinnerung an den Tag geniessen. Obwohl, bei einigen Fotos kann ich mich eigentlich gar nicht erinnern: hab ich diese gemacht?

Veröffentlicht von

Ruggero De Pellegrini

PHOTOGRAPHER, DEVELOPER & INDIVIDUALIST

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